{"id":1876,"date":"2022-11-22T21:09:56","date_gmt":"2022-11-22T21:09:56","guid":{"rendered":"https:\/\/dirkzache.com\/?p=1876"},"modified":"2023-01-26T12:20:40","modified_gmt":"2023-01-26T12:20:40","slug":"die-eier-des-adlers-anmerkungen-zur-entstehung-von-kunst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dirkzache.com\/en\/die-eier-des-adlers-anmerkungen-zur-entstehung-von-kunst\/","title":{"rendered":"Die Eier des Adlers \u2013 Anmerkungen zur Entstehung von Kunst"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\">Der Ukraine-Krieg dauert nun schon 9 Monate. Und wir unterst\u00fctzen die Ukraine mit &#8222;milit\u00e4rischem Ger\u00e4t&#8220;,<br \/>\nwie es neutralisierend hei\u00dft. Dabei sieht es nicht so aus, als ob die russischen Aggressoren sich hier<br \/>\naus irgendwelchen Gr\u00fcnden bald zur\u00fcckziehen w\u00fcrden und dann alles so sein k\u00f6nnte, wie fr\u00fcher&#8230;<br \/>\nFr\u00fcher, wo immer alles besser war&#8230; F\u00fcr jemanden wie mich, der friedensbewegt aufgewachsen ist, war bis vor kurzem<br \/>\nein erneuter Krieg in Europa unvorstellbar. Naiv? Vielleicht. Oder eben jetzt auch offensichtlich. Eben jenseits dessen,<br \/>\nwas man sich vorstellt &#8211; oder eben auch w\u00fcnscht. Aber ohne Visionen geht halt auch nichts.<br \/>\nApropos: Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen. Dieses Zitat, oder vermutlich so \u00e4hnlich, stammt von Helmut Schmidt.<br \/>\nEin sozialdemokratischer Kanzler, der sich massiv dagegen gewehrt hat, dass deutsche R\u00fcstungsindustrie Waffen in Krisengebiete liefert.<br \/>\nDer sich allerdings auch daf\u00fcr eingesetzt hat, dass U.S.-amerikanische Raketen auf deutschem Boden stationiert wurden.<br \/>\nDas war in den 1980er Jahren. Und auch ich bin damals noch dagegen auf die Stra\u00dfe gegangen&#8230;<br \/>\nKlar, die Welt hat sich seither weitergedreht und der Kalte Krieg war einige Jahre sp\u00e4ter dann &#8211; wieder unerwartet &#8211; vorbei.<br \/>\nWas wir hingegen nun seit einigen Jahren schon wieder beobachten k\u00f6nnen ist die Zunahme von nationalistischen Bestrebungen.<br \/>\nUnd man muss da nicht Donald Trumps &#8222;America first&#8220;, oder Bolsonaro in Brasilien bem\u00fchen, es reicht der Blick in ebenfalls demokratisch aufgestellte, europ\u00e4ische Nachbarl\u00e4nder wie Ungarn oder Polen, um zu erkennen, was es f\u00fcr eine europ\u00e4ische Gemeinschaft bedeutet, wenn einzelne L\u00e4nder wieder &#8211; unter demokratisch (!) gew\u00e4hlten Regierungen &#8211; beginnen, sich gegen\u00fcber anderen abzugrenzen.<br \/>\nDas wirklich bedrohliche scheint mir zu sein, dass es tats\u00e4chlich &#8222;salonf\u00e4hig&#8220; wird, nun doch auch mal wieder mehr &#8222;an uns&#8220; zu denken.<br \/>\nUnd damit die Abgrenzung und die Ausgrenzung von den vermeintlich Anderen zu einer akzeptierten Haltung wird. Die entsprechenden Zitate von Parlamentariern unseres Bundestages erspare ich mir an dieser Stelle. Aber man findet diese eben l\u00e4ngst schon wieder an den Stammtischen und weit verbreitet hier in diesem Netz, in dem auch ich hier schreibe. Zentral f\u00fcr die Demokratie ist die freie Meinungs\u00e4u\u00dferung. Und das ist gut so. Allerdings muss man sich bewusst machen, dass Demokratie damit immanent immer auch Tendenzen unterst\u00fctzt,<br \/>\ndie ihre eigene Abschaffung beg\u00fcnstigen. Der Blick in die deutsche Geschichte hilft, um zu erkennen, wie anf\u00e4llig eine demokratische Gesellschaft auf das Versprechen einer starken deutschen Nation zumindest in den 1930er Jahren noch war. Die Konsequenz dieses Nationalismus war massive Ausgrenzung von Menschen, die dann nicht mehr zur vielbeschworenen Volksgemeinschaft geh\u00f6rten. Zuforderst alle Deutschen j\u00fcdischen Glaubens, aber eben dann auch Menschen, die eine andere, dann nicht mehr legitime, politische Meinung vertraten. Die Konsequenz des deutschen Nationalismus war dann schlie\u00dflich der Krieg gegen die Nachbarnationen &#8211; bis zum Untergang der eigenen Nation.<br \/>\nWer die Ruinen der deutschen R\u00fcstungsindustrie in Peenem\u00fcnde gesehen hat, die heute weiterhin von der Natur zur\u00fcckerobert werden, oder wer einmal Kriegsgr\u00e4berst\u00e4tten in Europa besucht hat (zum 1.Weltkrieg besonders beeindruckend Flanders Field in Belgien), der sieht die Folgen von Nationalismen. Gleiches gilt, wenn man sich mal mit Kriegerdenkmalen besch\u00e4ftigt hat, die in der Folge beider Weltkriege in unseren St\u00e4dten und D\u00f6rfern errichtet wurden. Je nach Zeit ihrer Errichtung finden wir dort dann allerdings zus\u00e4tzlich, mehr oder weniger ausgepr\u00e4gt, wieder die Ans\u00e4tze von neuen, alten Nationalismen. Gerade diese Gedenkst\u00e4tten, die auch heute in unserer Erinnerungskultur, zumeist am Toten-Gedenktag, eine zentrale Rolle spielen, m\u00fcssen in einer Zeit, die uns mit einem erneuten Krieg in Europa vor Augen f\u00fchrt, was Nationalismen an Konsequenzen nach sich ziehen, sp\u00e4testens jetzt neu betrachtet werden. Jede Generation erneut und jede Stadtgesellschaft, noch dazu in einer Demokratie,<br \/>\nhaben gerade an solchen Orten die Chance und auch die Pflicht, die eigene Haltung zur eigenen Geschichte zu \u00fcberdenken.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Insofern ist es egal, von welcher Stadt ich gerade spreche. \u00dcberall gibt es diese Orte f\u00fcr das Erinnern.<br \/>\nUnd so habe ich mich mal dem, der mir am n\u00e4chsten liegt angenommen. Es ist jetzt schon etliche Jahre her,<br \/>\ndass ich mich auch beruflich als Direktor des Museums in Peenem\u00fcnde um Gedenkorte und die Fragen ihrer Rezeption bem\u00fcht habe.<br \/>\nUnd so kam es auch f\u00fcr mich selbst wieder etwas \u00fcberraschend, dass ich mich im Januar diesen Jahres<br \/>\ndem Kriegerehrenmal meiner Stadt gegen\u00fcber sah und mich erstmals sehr bewusst angen\u00e4hert habe. Keine Ahnung warum.<br \/>\nEine erste Fotoserie entstand.<br \/>\nEine eigenartige Anziehung. Eine eigenartig unangenehme Atmosph\u00e4re. F\u00fcr eine kleine Stadt viel zu gro\u00df.<br \/>\nStrenge Axialit\u00e4t, martialische Bildsprache. Ein weiter Platz der heute eher um-gangen wird.<br \/>\nObwohl er idyllisch von B\u00e4umen umstanden ist und im Zentrum unserer Stadt liegt.<br \/>\nNur wenige Wochen vor Ausbruch des 2.Weltkrieges wurde dieses Kriegerehrenmal eingeweiht.<br \/>\nUnd bis heute blieb es unangetastet und unkommentiert. Abgesehen von einer Erg\u00e4nzung aus den 1950er Jahren, wiederum zeittypisch,<br \/>\nund der Erg\u00e4nzung eines j\u00fcdischen Namens unter den Toten des 1. Weltkriegs.<br \/>\nUnd heute haben wir wieder Krieg in Europa. Unfassbar und bis vor wenigen Monaten auch f\u00fcr mich unvorstellbar.<br \/>\nWie damit umgehen? Wie in einer demokratieverw\u00f6hnten Stadtgesellschaft und<br \/>\nunserer Erinnerungskultur mit solch einem Ort umgehen? Ausblenden geht jetzt nicht mehr.<br \/>\nSp\u00e4testens jetzt sollte dieser Platz des Heldengedenkens ein anderer werden.<br \/>\nNach vielen weiteren Stunden und Besuchen an diesem Ort entstand eine erste Installation<br \/>\naus Beton, Stahl und Fotografie, in der ich diesen vorgefundenen historischen Ort aufgenommen habe.<br \/>\nEine Arbeit, die ma\u00dfgeblich auch die oben geschilderte Crux zwischen<br \/>\ndem demokratischen Europa und den wieder aufkeimenden Nationalismen thematisiert: Die Eier des Adlers.<br \/>\nVielleicht der Auftakt f\u00fcr ein weiteres Projekt am realen historischen Ort. Man wird sehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-368\" src=\"https:\/\/dirkzache.com\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Eier-des-Adlers-1.4-300x300.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/dirkzache.com\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Eier-des-Adlers-1.4-300x300.jpg 300w, https:\/\/dirkzache.com\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Eier-des-Adlers-1.4-150x150.jpg 150w, https:\/\/dirkzache.com\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Eier-des-Adlers-1.4.jpg 668w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">1938 war es jedenfalls eine Auftragsarbeit, initiiert vom \u00f6rtlichen Kriegerverein und kontrolliert vom Gau-Kulturwart\u2026<br \/>\nund, nach Angaben in der Tageszeitung, zum gro\u00dfen Teil finanziert aus freiwilligen Spenden der<br \/>\nB\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger Drensteinfurts. Die Kosten des Kriegerehrenmals beliefen sich auf 13.000 RM,<br \/>\ndie gr\u00f6\u00dftenteils und aus \u201efreiem Willen\u201c durch die damals 3.400 EinwohnerInnen aufgebracht wurden.<br \/>\nDer durchschnittliche Monatsnettolohn lag 1938 da bei 165 Reichsmark.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Interessanterweise hat der damalig ausf\u00fchrende Bildhauer Albert Mazzotti \u2013 zumindest f\u00fcr mich \u2013<br \/>\neine kleine Botschaft untergebracht, die dem propagandistisch geschulten Auge des Gau-Kulturwarts<br \/>\nwohl entgangen war. Der alles dominierende Reichsadler h\u00e4lt in seinen F\u00e4ngen weder Eisernes noch<br \/>\nHakenkreuz, sondern steht besch\u00fctzend auf seinem Horst, einem liegenden Eichenlaubkranz, der<br \/>\neher einem LKW-Reifen gleicht, aus dem seine zwei jungen Adler blicken. Ein Hinweis auf die<br \/>\ninzwischen herangewachsene Brut des seit 1933 allgegenw\u00e4rtigen Nationalsozialismus? Ich denke, ja.<br \/>\nZumindest ist mir keine weitere Darstellung des Reichsadlers in dieser Konstellation bekannt. Und<br \/>\nauch ist klar, dass Mazzotti die durchaus mutige Idee vorgelegt hatte, auf der R\u00fcckseite des<br \/>\nEhrenmals f\u00fcr die Toten des 1. Weltkriegs ein ebenso m\u00e4chtiges, christliches Kreuz zu zeigen. Dieses<br \/>\nchristliche Symbol kam nicht durch. Mazzotti ersetzte es durch eine trauernde Mutter, die die<br \/>\nGesichtsz\u00fcge seiner eigenen Mutter tragen soll. Die Durchsetzungsf\u00e4higkeit dieses Bildhauers ging<br \/>\nallerdings nicht so weit &#8211; auch wenn das der ein oder andere Geschichtsschreiber wohl im Nachhinein<br \/>\ngern so gesehen h\u00e4tten -, dass dieses Ehrenmal nun so gar kein Hakenkreuz gezeigt h\u00e4tte \u2013 und<br \/>\ndamit quasi frei w\u00e4re von nationalsozialistischer Ideologie. Ein Blick auf die R\u00fcckseite reicht aus, um<br \/>\nfestzustellen, dass da was nicht stimmt. Und tats\u00e4chlich findet sich wieder ein Zeitungsfoto von 1944,<br \/>\ndas hier den Reichsadler diesmal mit Hakenkreuz als Flachrelief zeigt &#8211; \u00fcber dem Kopf der trauernden<br \/>\nMutter. Die sie umgebenden, st\u00fcrmenden und handgranatenwerfenden Soldaten sind noch da. Der<br \/>\nAdler mit Hakenkreuz ist nicht mehr zu sehen. Ein kleines St\u00fcck einer Sandsteinplatte, genau jenes<br \/>\nmit dem Hakenkreuz, wurde neu eingepasst. Und die Platte mit dem restlichen Adler k\u00f6nnte in diesem Arbeitsgang,<br \/>\nim bekannterma\u00dfen sparsamen Westfalen, in einer Zweitverwendung auch schlicht nur umgedreht worden sein.<br \/>\nSp\u00e4testens die im Grundstein abgelegte Urkunde sollte uns auch heute<br \/>\nnoch Beleg genug sein, in welchem Geist dieses Kriegerehrenmal bis heute mahnt:<br \/>\nAn was wir uns, und v.a. wie wir uns an diesem Ort erinnern sollen und welcher damals<br \/>\nvorherrschende Geist mit diesem Ehrenmal (und damit eben bis heute) zum Ausdruck gebracht wird,<br \/>\nbeschreibt der Text der Grundsteinlegung. U.a. hei\u00dft es da,<br \/>\n<em>\u201e\u2026 im Jahrder Wiedervereinigung Oesterreichs mit Deutschland, der Gro\u00dftat unseres F\u00fchrers Adolf Hitler, im VI. Jahr<\/em><br \/>\n<em>seiner Regierung, errichteten die Gemeinden Drensteinfurt-Stadt und Kirchspiel den im Weltkriege 1914 \u2013 1918<\/em><br \/>\n<em>gefallenen S\u00f6hnen der Heimat dieses Ehrenmal. K\u00fcndend, mahnend und verpflichtend soll es auftragen zur Ehre<\/em><br \/>\n<em>der feldgrauen Soldaten, die auszogen zum Schutze deutschen Bodens, zum Ruhme unserer Toten, deren Blut<\/em><br \/>\n<em>die fremde Erde trank, deren Leiber die Fluten der Meere verschlangen, deren Geist lebendig blieb im Geiste<\/em><br \/>\n<em>unseres Volkes, von dem diese Steine reden. Zeuge soll es sein der \u00dcberwindung deutscher Not und Schmach durch die <\/em><br \/>\n<em>K\u00e4mpfer der Bewegung Adolf Hitlers, die reinen Willens Blut und Leben gaben im Glauben an Deutschlands Wiederauferstehung. <\/em><br \/>\n<em>\u2026 Wir Lebenden bekennen uns durch dieses Werk zum heiligen Verm\u00e4chtnis unserer Toten.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Die \u201eEier des Adlers\u201c nehmen Bezug auf die bestehenden Elemente dieses Krieger-Ehrenmals. In der<br \/>\nFlammschale der 1950er-Jahre, die \u00fcbrigens nach dem Willen ihrer Erbauer vor Ort regelm\u00e4\u00dfig<br \/>\nwieder entz\u00fcndet werden sollte, ist wieder ein Adler-Nest entstanden. In ihm sitzen diesmal<br \/>\nnoch keine Jungv\u00f6gel, allerdings liegen dort, weichgebettet auf einem Kissen (aus Beton), bereits wieder zwei<br \/>\nAdlereier. F\u00fcr mich Symbol f\u00fcr die Nationalismen, die inzwischen weltweit deutlich wieder Zuspruch<br \/>\nfinden. Die unaufl\u00f6sbare Crux daran ist, dass jedes demokratische System (auch unseres), indem es<br \/>\nandersgeartete Meinungen richtigerweise zul\u00e4sst und damit unsere Vielstimmigkeit bef\u00f6rdert,<br \/>\neben auf der anderen Seite gleichzeitig das Denken in Abgrenzung zu allem und jedem anderen m\u00f6glich macht<br \/>\nund es damit legitim erscheinen l\u00e4sst.\u00a0 Bedrohliche Ambivalenz. Die Demokratie zeigt sich als<br \/>\nein \u00e4u\u00dferst fragiles System, das es dennoch und gerade deshalb zu sch\u00fctzen gilt. Aber eben genau in<br \/>\ndiesem Bewusstsein von Achtung und Zusammenhalt. Auch in unseren Stadtgesellschaften.<br \/>\nMeine Hoffnung gilt dabei dem Zusammenhalt in einem weiter vereinten Europa,<br \/>\ndas ebenso unsere Demokratien wie unsere Vielstimmigkeit als hohen Wert sch\u00fctzt.<br \/>\nAber eben genauso von wieder aufkommenden Nationalismen bedroht ist&#8230;<br \/>\nEin Pl\u00e4doyer und ein Mahnmal.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Link zu Atelierfotos <a href=\"https:\/\/dirkzache.com\/en\/skulptur-und-raum\/die-eier-des-adlers\/\">Eier des Adlers<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Wie aber mit solchen Orten dann heute umgehen? Wie aber nun auch mit dem konkreten Platz und diesem Kriegerehrenmal umgehen?<br \/>\nErinnern ist heute, im Zeichen des Krieges, wichtiger denn je. Und so ist ein Mahnmal zum Andenken an die deutschen Kriegstoten<br \/>\nzun\u00e4chst auch noch v\u00f6llig zurecht heute fester Bestandteil der \u00f6rtlichen Erinnerungskultur. Und dies ganz sicher nicht<br \/>\nim nationalsozialistischen Geiste, wenn am Toten-Gedenktag oder anl\u00e4sslich jeden<br \/>\nSch\u00fctzenfestes an selbiger Stelle dieser martialischen Anlage Kr\u00e4nze niedergelegt werden.<br \/>\nUnd dennoch tappen wir da in eine Falle, wenn wir den Ritus unreflektiert weitertragen.<br \/>\nAuch Traditionen d\u00fcrfen sich \u00e4ndern. Und manchmal m\u00fcssen sie dies sogar tun.<br \/>\nMir als K\u00fcnstler steht es nicht zu, die Formen des Gedenkens zu be- oder gar zu verurteilen.<br \/>\nDiese Diskussion muss die jeweilige Stadtgesellschaft f\u00fchren.<br \/>\nAber f\u00fcr mich als K\u00fcnstler ist es ein inneres Bed\u00fcrfnis, vielleicht auch Verpflichtung, einen Anlass<br \/>\nzu schaffen, um diesen Ort im Zentrum unserer Stadt und seine Rituale aus heutiger Sicht neu zu reflektieren.<br \/>\nNeben und nach den Eiern des Adlers entsteht hieraus so gerade ein neues Projekt, dass ich im Arbeitstitel \u201eGarten der<br \/>\nErinnerung\u201c nenne. Eigentlich ein St\u00fcck Land-Art. Und eine Mischung aus inhaltlichem und<br \/>\n\u00f6kologischem Neu-Denken dieses historischen Erinnerungsorts.<br \/>\nEs geht darum, die Vergangenheit und damit das bestehende Denkmal zu akzeptieren.<br \/>\nEs geht nicht darum, es anzugreifen oder gar zu negieren, sondern, im Gegenteil, es bewusst zu akzeptieren und es einzubinden<br \/>\n\u2013 und ihm eine zeitgem\u00e4\u00dfe Facette unseres Denkens \u00fcber die Gefahren heutiger Nationalismen hinzuzuf\u00fcgen.<br \/>\nEin Pl\u00e4doyer f\u00fcr den Zusammenhalt in Europa, genauso wie f\u00fcr den Zusammenhalt in unserer Stadtgesellschaft.<br \/>\nDann vielleicht auch wieder ein Platz, den die Menschen wieder annehmen<br \/>\n&#8211; mit allen Erinnerungen, die es zu entdecken gibt.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Ukraine-Krieg dauert nun schon 9 Monate. Und wir unterst\u00fctzen die Ukraine mit &#8222;milit\u00e4rischem Ger\u00e4t&#8220;, wie es neutralisierend hei\u00dft. Dabei sieht es nicht so aus, als ob die russischen Aggressoren sich hier aus irgendwelchen Gr\u00fcnden bald zur\u00fcckziehen w\u00fcrden und dann alles so sein k\u00f6nnte, wie fr\u00fcher&#8230; Fr\u00fcher, wo immer alles besser war&#8230; F\u00fcr jemanden wie [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":367,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[12],"tags":[],"class_list":["post-1876","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kunst"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dirkzache.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1876","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/dirkzache.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dirkzache.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dirkzache.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dirkzache.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1876"}],"version-history":[{"count":17,"href":"https:\/\/dirkzache.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1876\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1972,"href":"https:\/\/dirkzache.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1876\/revisions\/1972"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dirkzache.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/367"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dirkzache.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1876"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dirkzache.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1876"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/dirkzache.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1876"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}